Mittwoch, 12. Mai 2010

Huayna Potosi

Liabe Leid.

Bevor ich mit meinem Bericht aus der Vogelperspektive beginne, ist als allererstes zu sagen: "Juhu!! Ich habs geschafft!!" , wenn auch nur haarscharf. Dabei handelte es sich weniger um ein Problem körperlicher oder alpiner Art, sondern eher um eine von meheren Fehlkalkulationen. Den ersten Fehler hab ich schon in La Paz gemacht, nämlich statt Taschentücher, für Nase und andere menschliche Bedürfnisse, hab ich mir blöderweise Binden, für die eher weiblichen, gekauft. Die sahen einfach genau so aus und die Verkäuferin an der Ecke hat sich dabei vermutlich nichteinmal was gedacht als sie mir das Zeug in die Hand gedrückt hat. Eine dieser Gringoabarten oder einfach ein ziemlich bärtiges Fräulein, hat sie wahrscheinlich in ihren Bart gemurmelt, wobei ich mir nicht mehr sicher bin, ob sie einen hatte oder nicht. Wie auch immer, mein erstes dringendes Geschäft in jenen Höhen verlief also überraschend improvisationsfreudig. Nicht dass ich euch hier nur Scheisse erzählen will, aber ich musste selber lachen und vielleicht erheiterts euch ja auch a bissal...

Aller Anfang ist hart und schwer. Schon auf dem Weg zum Huayna, hatte ich echt mit mir zu kämpfen. Voller Spannung und Vorfreude, jedoch mit schwitzig kalten Händen und einer verdammten Nervösität, dass kracht, sass ich da im Taxi und führte ein Gespräch über Geburtenraten in Bolivien und Deutschland. Mein Gesprächspartner, und Chef jener Agentur, verliess den Wagen und liess mich mit meinem ganz persönlichen Guide zurück. Schon nach nur kurzer Fahrt hinaus aus den Irrwegen La Paz, sah man schon die Pracht der cordillera und konnte ihre Anmut beinahe fühlen (also ich fühlte sie sowieso, und zwar im Magen!!!). Der Berg war herlich! Symetrisch in seiner Gestalt, angst-oder respekteinflössend in seiner Grösse. Am Fusse noch erstreckt sich ein Meer aus kargen Felsen, Schutt und Geröll, das weiter oben hin in ein Gletscherweiss übergeht, das perfekter nicht sein könnte. Alpinaweiss eben. Im campo base angekommen , haben wir wie in Bolivien üblich, erstmal ordentlich gespachtelt; Reis, Pommes und Hühnchen. Unseren ersten Tag verbrachten wir dann damit, auf die Ausläufer des Gletschers zu wandern und dort das Gehen und Hantieren mit Steigeisen und Eishacke zu üben. War eh kein Problem, da ich schon mal das Vergnügen mit Hacke und Eisen machen durfte. Wir sind also bisschen im Eis umher geklettert, drangen etwas ein in die blauen Tiefen des Berges ein. War super!!! Zurück im campo base assen wir nochmal anständig und lernten uns alle etwas kennen. Bei den Besuchern des refugios handelte es sich um vier Zweier-Gruppen, die jeweils aus einem Ami, Engänder und einem Isreali mit dazugehörigem Führer bestanden(sie haben es alle überlebt). Nebenbei ist zu erwähnen, dass jeder Führer einen eigenen "BergfÜhrer"-Namen nat. Da gibt es den burro(Esel) oder den viejo(alt/erfahren), allerdings auch den Arsch( leider hab ich vergessen, was das auf Quechua heisst). Mein Guide trug den ehrwürdigen Namen El Gato (die Katze), deswegen braucht man sich auch nicht wundern, warum wir die ersten am Gipfel waren...
Der zweite Tag bestand eigentlich nur aus einem zweistündigen Aufstieg auf 5100m Höhe, ins campo alto. Der restliche Tag bestand im Wesentlichen aus essen, ruhen, sich vorbereiten und um sieben ins Bett gehen, um dann Mitternacht fit zu sein um eine Höhendifferenz von 1000m zu meistern.
Bei ungefähr 3,5 Grad Celsius unter Null hat man dann versucht zu schlafen und Energie zu sammeln. Um 0040 gings dann los. Die ersten steilen Meter verliefen super, ein leichtes Kopfweh war zwar zu spüren, aber eigentlich nur während des Wartens. Trotz dicksten Jacken und Unterwäsche, drang die enorme Kälte bis tief ins Mark. Wie eine Zombieherde im Energiesparmodus bewegte sich unsere Karavane bergauf, dem Gipfel entgegen. Bald jedoch machte sich langsam, aber sicher ein vehemtes Problem bemerkbar. Meine Schuhe, die ich selbst mitgebracht hatte, lieseen die Kälte von allen Seiten her eindringen. Sie waren einfach nicht ganz Gletscher tauglich, obwohl ich das Ja des Chefes der Agentur hatte. Eine Fehlentscheidung, die mich fast zum Umkehren zwang. So versuchte ich also meine Füsse irgendwie warm zu halten, besser warm zu machen. Mein Mut schwand und beinahe hätte ich den Einkejrschwung eingschlagen, aus Angst mir meine feinen Zehchen abzufrieren, aber Felix el gato, meinte der Gipfel sei zum Greifen nah, aber ich solle selber entscheiden, was zu tun sei. Wenn man schon mal da ist, sagte ich mir, dann sollte man schon etwas wagen können. Vor allem, da mir meine Kondition und die Höhe fast gar nicht zu schaffen machten. El Gato machte mir Mut und es zählte sowieso nur das Eine: zum Zenith. So redete ich meinen Zehen also gut zu, sie sollten endlich wieder warm werden, und so gings dann rauf bis zum Gipfel, 6088m über dem Meeresspiegel.
Ein letzter 40cm breiter Grat, der an beiden Seiten ins Leere stürzt und dann endlich: Geschafft!!! Leider viel zu früh für den Sonnenaufgang und zu früh um die Weite der bolivianischen cordillera zu sehen. Schade, wir waren leider zu schnell. Vielleicht hat mich die Kälte in meinen Zehen so schnell voran getrieben, wer weiss. Ein ziemlich dunkles Gipfelphoto, schnell einen meiner leckeren Energieregel und dann schnell wieder runter. So hab ich zumindest das helle Funkeln der neimals schlafenden Stadt La Paz gesehen, schon für diesen Anblick hat sichs gelohnt. Während des Abstieges liess die langsam erwachende Sonne die umliegenden Eiswände und den mit Kristallen bedeckten Schneeboden glänzen, wie in einem eisigen Wunderland.
Erschöpft und zugleich unglaublich froh es doch geschafft zu haben, kamen wir im campo alto an, schüttelten uns die müden Hände und tranken erstmal nen Cocatee...

War einen tolle Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann. Ob ich mir noch nen 6000er von der Nähe aus ansehen werde, weiss ich noch nicht. Der Illimani hat 6400m und ist technisch auf jeden Fall interessanter. Vamos a ver...
Muchos abrazos para ustedes.
Ciao

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