Dienstag, 23. März 2010

Dienstag, 9. März 2010

Aus dem Tagebuch eines Zivis

"Verdammt! Wie spät ist es? Muss ich schon aufstehen? Egal, ich muss eh aufs Klo. Außerdem sind zehn Stunden Schlaf sowieso mehr als ausreichend.", denkt sich der Zivi als er gerade aufwacht und sich noch einmal in seinem Schlafsack umdreht um die Kälte, die sich im Laufe der Nacht im Zimmer breit gemacht hat, zu verdrängen. Das Klo muss warten.
Nach einem Blick rüber in die Nachbarkoje, muss sich der Zivi fragen,wie es kommt, dass es doch noch disziplinierte Aufsteher unter seinen Artgenossen gibt.
Als er gewaschen und rasiert (nicht!) in die Küche kommt, erwischt er seinen Zivikollegen bei der Arbeit: "Halt! Was machst du da? Das sieht nach Arbeit aus?!". " Geschirr von gestern abspülen." " Aha ja. Ok. Ich dachte schon... Morgen Paul. Alles senkrecht?!". "Immer. Eierbrot gefällig?". Als ob er sich diese Frage nicht sparen könnte...
Nachdem auch der dritte Mann in ihrem Bunde, Professor Konnie, die senkrechte Lage erreicht hat, beginnt ein ausgewogenes, jedoch ruhiges Frühstück. Vor den weit geöffneten Türen des Aufenthaltsraumes sitzen die Zivis friedlich auf der Couch und lassen sich die alles erweckende Mogensonne auf den Zivipelz scheinen. Vor ihnen tut sich ein fürstliches Frühstücksangebot auf, das auf einem nicht ganz stabilen, jedoch selbst gebauten Tisch platz findet. Ihr treuer Hund Chuto, der übrigens die ganze Nacht gebellt hat, um den Zivis nicht zu viel Schlaf zu gönnen, liegt draussen auf den Stufen zum Haus und wartet auf einen unaufmerksamen Moment eines schläfrigen Zivis, um ihm ein Stück Speck ( ggf. Kavier) zu räubern. Er wird leer ausgehen und sich auf die fleischlose Kost Alejas beschränken müssen. Aleja ist die einzige Einheimische in unserer kleinen Ansammlung von Häusern, die es nicht wert ist, Dorf genannt zu werden und kümmert sich um die dort lebenden Pferde (Max und America), Hunde ( Chuto und der verstopfte Hund), Katzen ( Arturo. Rest ist unbekannt), Esel ( namenlos), Hühner (egal), den Papagei und die lärmenden, agressiven Gänse ( eigentlich handelt es sich hier viel mehr um Killergänse).
Kurz nach acht. Zwei der drei Zivis müssen sich für ihren Einastz in der örtlichen Grundschule und den 3/4 stündigen Weg dorthin vorbereiten. Der denkbar schönste Arbeitsweg wird sie durch Eukalyptos- und Pinienwälder aller Art führen und ihnen genügend Zeit bieten sich über den bevorstehenden Unterricht zu unterhalten. In der Schule angekommen sollen sie den Schülern entweder Englisch oder Mathe beibringen, manchmal, jedoch selten, gewähren sie den Glücklichen tiefe Einblicke in die Kunst der computacion. "So das wäre geschafft. Unseren Stoff konnten wir ihnen mal wieder richtig gut rüberbringen und ich musste auch nur einmal vom Metallineal Gebrauch machen.", denkt sich einer Zivis recht zufrieden. " Und jetzt noch schnell was futtern. Hoffentlich gibts wieder dieses leckere Apfelbreizeugs.", denkt sich währendessen der Andere (diese Angabe ist ohne Gewähr).
Der dritte Zivi, der das Schicksal des Alleingelassenen hatte, hat während dieses Zeitabschnittes, der so ziemlich den ganzen Vormittag in Anspruch nimmt, enweder die gemütlichen Wohnräume des Zivihauses geputz und wieder in Stand gesetzt oder sich irgendwie anders im weitläufigen Gebiet unseres Arbeits- und Aufenthaltsraumes Cajamarcas nützlich machen können.
Nachdem sich alle drei von den Strapazen des Vormittags erholt und ausgeschlafen haben (gähn!!), machen sie sich auch schon wieder an das nächste Projekt, welches sich dieses mal um die neue Küche handelt. Die alte war zwar ausreichend und eines Zivis auf jeden Fall würdig, hat allerdings ausgesehen wie sau. Wie als ob sie innerhalb von zehn Minuten zusammen gezimmert worden wäre, aus Holzabfällen für die mir an dieser Stelle die Worte fehlen. Die neue Küche macht doch unerwartet viel Arbeit und erfährt, im Gegensatz zur alten, Liebe zum Detail und mehr als 1 Minute 32 Sec um sich zu überlegen wie man das Ganze gestalten könnte. Naja, noch ist sie in Arbeit. Leider ist jedoch der Küchenarchitekt und Capo der Baustelle ( wichtige Persönlichkeit) derzeit im Urlaub in Chile und muss auf die Arbeit verzichten. Photos dieses und auch anderer Projekte folgen, da diese Persönlichkeit ne neue Kamera aus Chile mitbringt (seine alte wurde ihm in Peru geklaut( Geschichte zu dieser Geschichte folgt)).
Nach getaner Arbeit werden die Zivis duschen (nicht!), sich noch ein wohlschmeckends Mal bereiten ( Köchin gibts keine, d.h. selber kochen, d.h. höheres Buget für mehr leckere Dinge), noch etwas Tischfußball, Dart oder Gitarre spielen und das Tagesende genießen.
Es ist 21.30 Uhr, die Zivis schlafen tief und fest, träumen von weiblichen Zivis und nicht einmal Chuto kann sie heute nacht mit seinem paranoiden Gebell noch aus den Träumen reißen.
Bis bald